Mittwoch, 19. Dezember 2012

Vom Davonlaufen



Er schlug die Augen auf. Der Nachttisch wackelte. Ein Glas fiel aus dem Regal. Der Zug war durchgefahren. Zu spät?
Langsam erhob sich der Mann und trat auf das Fenster zu. Draußen ging gerade die Sonne auf und die ersten Menschen eilten über die Straßen. Noch nicht.
Metall auf Metall. Ein ohrenbetäubendes Quietschen. Ein weiterer Zug hielt. Die Türen öffneten sich und ließen Ströme von Menschen hinaus ins Alltagsleben. Der Alltag. Nie war ihm etwas so weit entfernt vorgekommen. Ruhe. Und er stand da. Wartete auf den richtigen Moment. Und hatte Angst. Angst den Moment zu verpassen. Und Angst entdeckt zu werden. Etwas regte sich auf dem Bett. Sie war wach geworden. Gut, dachte er. Dann lief er in die Küche, holte ein Glas Wasser und reichte es ihr. Ohne zu zögern griff sie danach, und trank. Verständlich, denn die Flucht war anstrengend gewesen. Die ganze Nacht lang hatte man sie verfolgt, bis sie schließlich in einer Menschenmenge entkommen konnten. Jetzt waren sie hier. Hofften, nicht entdeckt zu werden. Und beteten, rechtzeitig hier weg zu kommen.
Dann klopfte es an der Tür. Verdammt. Ohne nachzudenken, hetzte er zur Tür und schob einen Stuhl unter die Türklinke. Lass es halten. Dann begann er ihre wenigen Sachen zusammen zu suchen. Sie waren zu früh. Damit hatte er nicht gerechnet. Schnell öffnete er das Fenster, half ihr auf und zog sie hinaus. Schritt für Schritt liefen sie über das Dach. Ruhig bleiben. Vorsichtig, einen Fuß vor den anderen setzend machten sie sich auf Richtung Bahnhof. Er nahm die Tasche, warf sie über die Dachkante nach unten und sprang.
„Komm, spring“, rief er nach oben. Bitte. Dann schwang sie sich leichtfüßig von der Dachkante, als ob die Erschöpfung verschwunden war. Dann liefen sie weiter. Schneller. Und gerade als der Zug in den Bahnhof einfuhr, tauchten einige Gestalten in der Menschenmenge  auf. Schnell, ohne Rücksicht auf die anderen kämpften er und sie sich durch zu den Türen. Flehten sie innerlich an, dass sie schneller aufgingen. Dann stiegen sie ein. Atmeten auf. Ohne zu wissen, dass sie noch nicht entkommen waren..

Dienstag, 4. Dezember 2012

Vom Erinnern und vom Warten



Der Regen prasselte gegen das Fenster. Langsam flossen die einzelnen Tropfen herunter. Wir ihre Gedanken. Wie lange saß sie schon hier? Eine Stunde, vielleicht auch etwas länger. Der Regen erinnerte sie an den einen Moment. Er war kurz gewesen, nur für die Dauer eines Herzschlags spürbar und dann auch schon wieder weg. Drei Worte waren es gewesen. Sie konnte sich genau erinnern. „Warte auf mich“. Und jetzt wartete sie hier. Auf jemanden, dessen Namen sie nicht kannte. Nicht einmal sein Gesicht hatte sie gesehen. Sie waren sich nur kurz begegnet. Unten, vor dem Eingang, als sie Schutz suchte, vor dem Regen. Wenn sie aus dem Fenster blickte konnte sie die schwache Beleuchtung sehen.  Völlig durchnässte hatte sie unten gestanden, als die Silhouette eines Mannes auf sie zu kam, wie ein Schatten im Schleier des Regens. Er trat auf sie zu, an ihr vorbei. Und trotzdem spürte sie ein Gefühl der Vertrautheit. Sein Geruch, der sich mit dem des nassen Asphalts mischte, kam ihr bekannt vor. Genauso wie das rasselnde Geräusch seines Atems. Hastig und ungleichmäßig, wie nach großer Anstrengung. Doch als sie das in sich aufgenommen hatte, war er schon wieder verschwunden. Geblieben war nur der kleine Zettel, zwei Mal gefaltet. Und die drei Wörter, in ordentlicher Handschrift geschrieben. „Warte auf mich.“

Jetzt saß sie da. Wartete, ohne genau zu wissen, was auf sie zu kommen sollte. Nicht einmal ob sie am richtigen Ort war, wusste sie.  Doch es fühlte sich richtig an. Der Platz am Fenster. Hier war sie schon einmal gewesen. Aber so wie der Regen am Fenster herunter floss, so waren auch ihre Erinnerungen verflossen. Und sie wusste nicht, wie sie versuchen sollte sich zu erinnern. Doch eines war ihr noch bewusst. Sie war nicht alleine gewesen.

 Ihr Blick wendete sich vom Fenster ab und wanderte durchs Zimmer. Es war ein typisches Hotelzimmer. Auf dem breiten Bett lag ein Briefblock, auf dem sie versucht hatte ihre Gedanken aufzuschreiben und zu ordnen. Ab es war ihr nicht gelungen. Auf dem Abstelltischchen neben ihr stand eine Flasche Wasser. Sie streckte die Hand aus, nahm die Flasche, öffnete sie und trank gierig einen Schluck. Aber auch das half nichts. Ihre Erinnerungen waren an das Treffen waren verschwunden. „Warte auf mich“. Der Zettel lag in ihrer offenen Hand. Und sie wartete, darauf, dass der geheimnisvolle aber doch vertraute Mann kommen würde. Vielleicht hatte er einige Antworten auf ihre Fragen. Vielleichte war er eine Erinnerung, auf die alle anderen aufbauten. Vielleicht konnte sie sich dann wieder an die besonderen Momente ihres Lebens erinnern. Denn vielleicht war er eine Antwort auf all die Narben, die das Leben ihr hinterlassen hatte. Sie hoffte es, denn sie wollte sich endlich wieder erinnern können. 
Es regnete immer noch und langsam begann ihr Kopf zu schmerzen. Sie dachte zu viel nach. Sie versuchte sich krampfhaft zu erinnern. Also griff sie in ihre Handtasche, die an dem Tischbein lehnte. Sie nahm eine Kopfwehtablette und spülte sie zusammen mit einem Schluck Wasser runter. Es tat ihr gut das kalte Wasser zu spüren. Sie genoss es einfach dazu sitzen und dem Regen zu zusehen. Also beschloss sie einfach zu warten.
Dann klopfte es an der Tür. Drei dumpfe Schläge hallten durch das Zimmer. „Warte auf mich.“  Dann schwang die Tür auf und ein groß gewachsener Mann trat ein. Ein Mann, mit dem sie vieles Verband. Ein Lächeln, das ihr vertraut war. Und Augen, die sie besser gesehen hatten als sie sich selbst. Vor ihr standen ihre Erinnerungen. Sie brauchte sich nur zu erinnern…



 Eine Kurzgeschichte zu dem Bild "Hotel Window" von Edward Hopper.Für den Unterricht.

Mittwoch, 21. November 2012

Vergessene Worte, rettende Worte

An: mich um nicht zu vergessen, und an euch, wenn ihr rettung braucht.


Der Mond schimmert durch mein Fenster. Der Sekundenzeiger meiner Uhr tickt unaufhörlich weiter. Und ich sitze hier. Das Gesicht in den Händen vergraben. Aufkommende Zweifel kämpfen meine Hoffnung nieder. Keine Ahnung, warum ich hier bin, und was ich hier tue. Ich sitze einfach nur da. Hebe den Kopf und schaue dem Mondschimmer zu, der wie ein Schleier durch das Zimmer wandert. Die Poster an den Wänden leuchten kurz auf und werden wieder von den Schatten verschlungen. Das Licht wandert über den Schreibtisch und legt sich über den Berg aus Zetteln und Texten darauf. Die Stifte liegen noch ungeordnet daneben. Über den Boden streifend, trifft das Licht auf den Spiegel. Es wird zurückgeworfen, beleuchtet die dunkle Silhouette dieser Person auf dem Bett. Ein Blick in den Spiegel, in die Augen die dir zurück blicken. Sie sagen dir, dass du etwas tun musst. Ich stehe langsam vom Bett auf und trete mit unsicherem Schritt auf mein Spiegelbild zu. Ich versuche ihm aus den Augen abzulesen, wie es der Person geht, die mir entgegenblickt. Doch alles, was ich sehe sind die starren Gesichtszüge und die müden Augen, die mir auf einmal so fremd vorkommen. Was sich dahinter abspielt bleibt verborgen. Was, wenn ich vergessen habe wer ich bin? Ich muss lächeln. In einem Moment in dem ein Lächeln vielleicht das letzte ist, was einem einfällt.  Ich erinnere mich daran, wie ich gedacht habe, dass ich der einzige bin der mich wirklich kennt. Aber jetzt bin ich mir auch nicht mehr sicher. Klarheit in meinem Kopf, das könnte ich jetzt gut gebrauchen. Antworten auf all meine Fragen. Mit einem Blick auf den Schreibtisch vergewissere ich mich, dass alles ok ist. Meine Gedanken sind noch da. Sauber aufgeschrieben und zusammen gefaltet liegen sie da. Alle, bis auf einen. Zerknittert und mit einem Riss liegt er in der staubigen Ecke. Vergessen.  Der offene Füller darauf.


Was, wenn?
Diese zwei Worte stehen darauf. Fast unleserlich. Und ich kann mich nicht erinnern, wann ich das aufgeschrieben hatte. Auch nicht einmal warum. Obwohl ich mir gesagt habe, dass ich nie vergessen will, was ich aufschreibe.
Dann schiebt sich eine Wolke vor den Mond. Und wie die Dunkelheit sich ausbreitet, wandert auch ein Schatten durch meinen Kopf. Die Silhouette eines Gedanken. Und krampfhaft suche ich nach einem Licht, das mir zeigt an was ich denke.
Die Uhr tickt unaufhörlich weiter.
Was, wenn?
Noch einmal lese ich die beiden Wörter. Was, wenn ich mir nicht mehr einfällt was ich damit sagen wollte? Was, wenn ich vergesse mich zu erinnern. Und was, wenn die Welt sich irgendwann nicht mehr erinnern kann? Wir tun so viel. Wir erleben so viele Dinge. Was, wenn wir uns irgendwann nicht mehr erinnern können, warum wir so viel erlebt haben? Das, ist das schlimmste, das ich mir vorstellen kann. Irgendwann nicht mehr zu wissen, warum ich so viel gemacht habe, oder warum ich geweint habe. Wenn ich mich nicht mehr erinnern kann, wie sich Freundschaft anfühlt. Oder das Gefühl von Vertrauen und Geborgenheit. Ich will einfach nicht vergessen, wie es sich anfühlt, am Leben zu sein.
Deshalb schreibe ich. Ich schreibe alles auf, was ich fühle. Alles, was ich mich Frage, und alles, worauf ich schon eine Antwort gefunden habe. Ich erfinde Geschichten aus Situationen, die ich erlebt habe. Und ich erzähle. Ich erzähle den Leuten wovor ich Angst habe. Oder was ich mir Wünsche. Und oft stoße ich dabei auf Menschen, denen es so geht wie mir. Die Gespräche, die dann entstehen, helfen mir oft mich zu erinnern. Und auch das schreibe ich auf. Denn so kann ich immer sehen, dass ich nicht umsonst da bin. Ich kann mir immer wieder klar machen, dass man mir zuhört. Und dass man meine Texte liest. Es gibt nur wenige dinge die mich überglücklich machen. Eines ist das Erzählen. Und das Schreiben. Ich liebe es Leute mit Worten auf eine Reise einzuladen und ihre Gedanken zu entführen.  Und es hilft mir, nicht zu vergessen. So wie es anderen hilft, Antworten zu finden. Deshalb freue ich mich immer, wenn ich höre, dass meine Worte helfen. Und dann habe ich geschafft, was ich schaffen will.
Was, wenn deine Worte nicht umsonst sind? Was, wenn da draußen jemand ist, der sie braucht. Das sind meine Gedanken. Und wenn da draußen wirklich jemand meine Worte liest, sie in sich aufnimmt, wie ich es bei schreiben tue, und sie schließlich helfen. Dann bin ich glücklich. Denn dafür schreibe ich. Um Menschen eine Umarmung zu schenken, wenn sie eine brauchen. Und um ihnen ein Licht zu schenken, wenn sie in der Dunkelheit sitzen.

Das Mondlicht scheint durch die Wolken. Ich setzte mich, nehme ein Blatt Papier und einen Stift. Ich schreibe diese Worte auf.  Um sie nicht zu vergessen. Es hilft auch mir, wenn ich schreibe und wenn ich hören darf, dass ich helfen kann. Denn: Was, wenn ich diese Worte irgendwann einmal jemandem erzähle und sie helfen. Was, wenn irgendjemand das hier liest und sich dadurch besser fühlt, weil er merkt, dass er nicht alleine ist? Jeder soll sich einmal Gedanken machen, was passiert wenn man schreibt und erzählt. Man sollte sich überlegen was Worte bewegen können. Denn auf Worte können Taten folgen. Man kann andere und sich selbst kennenlernen. Und Klarheit in der eigenen Gefühlswelt schaffen. Deshalb schreibe ich diese Briefe. An euch, um euch zu helfen. Und an mich, um mich zu erinnern. Daran, warum ich diese Worte aufgeschrieben habe. Ich erinnere mich an die Erlebnisse die diese Worte geformt haben und ich mache mir bewusst, dass die Worte nicht verschwendet sind. Deshalb sitze ich hier und schreibe Wort für Wort. Lese alles noch einmal, lasse es durch meinen Körper fliesen. Ich setze meinen Namen darunter und einen Gruß. Dann lege ich den Stift weg, schaue noch einmal auf den Mond und danke dafür, dass ich sein Licht spüren darf. Dann lege ich mich ins Bett, schließe die Augen und schlafe ein. Ohne den Brief zusammen zu falten und wegzuräumen. Denn: Was, wenn ihn jemand lesen möchte? Ich lasse den Brief offen. Denn: Was, wenn der Brief mit seinen Worten, jemanden rettet?..

Donnerstag, 15. November 2012

Der eine da im Spiegel

 An: jeden der sich selbst nicht sehen kann. und an mich, der sich sucht.

"Hey kleiner da im Spiegel, du siehst ja fast so aus wie ich. Wir besuchen dieselbe Schule, ich glaube ich kenn dich ziemlich gut." Was ist da dran? Wie gut kennt man sich selbst wirklich? Natürlich weiß man seinen Namen und auch wann man geboren wurde. Aber was hat dafür gesorgt, dass man so geworden ist wie man ist? Waren es eigene Entscheidungen? Oder der Einfluss deines Umfelds? Vielleicht von beidem ein bisschen. Aber trotzdem sind wir vielleicht nicht die, die wir sein wollen. Wir werden geformt, von allem was passiert. Oder wir formen uns selbst, durch alles was wir machen und durch die Entscheidungen die wir treffen. Und trotzdem machen sich nur die wenigsten Gedanken über sich selbst. Die meisten wollen nur, dass in ihrem Umfeld alles in Ordnung ist. Dann ist auch alles was sie tun in Ordnung. Was aber, wenn das nicht in Ordnung ist? Die meisten beginnen dann erst mal in ihren Umfeld nach Ursachen zu suchen. Sie sehen Leute die auf der Straße leben, und ignorieren sie einfach. Sie vergessen dass das auch Menschen sind. Menschen, deren Leben wie ein Spiegel zerspringt, wenn er mit Steinen beworfen mit. Und diese Steine werfen wir. Wahlos und ohne Ahnung was wir eigentlich tun, werfen wir. Halten diese Menschen für die Ursache unserer schlechten Seiten. Und wir sind davon Überzeugt, dass wir etwas besser machen. Wir denken dass wir anderen helfen. Und vielleicht Leben retten. Doch eigentlich zerstören wir nur welche.

Wer etwas ändern will, der sollte zuerst selbst in den Spiegel schauen. Einmal drüber wischen um die Flecken und den Staub weg zu fegen, der sich im Laufe der Jahre angesammelt hat. Sie sind ein Zeichen dafür, dass wir viel zu selten in den Spiegel schauen. Und somit viel zu selten auf uns selbst. Man sollte den Staub nicht außer Acht lassen, aber sobald er weg ist sieht der Spiegel wieder aus wie neu. Und man kann seine Augen auf das Spiegelglas richten. Sich selbst in die Augen schauen. Augen in denen man Gefühle und Erinnerungen sehen kann. Und Erlebnisse, die einen geprägt haben. Man kann in die Seele eines Menschen blicken, von dem man gedacht hatte ihn zu kennen.Wir betrügen uns alle gerne selbest, weil die meisten daran zerbrechen, was ihnen unter der Staubschicht des Spiegels entgegenlacht. Aber dann erkennt man dass es die Seele eines Fremden ist. Einem Fremden, mit dem man sich viel zu wenig beschäftigt hat. Vielleicht merkt man dann, dass das ein Fehler war. Man merkt dass man versucht hat die falschen Menschen zu ändern. Denn wer etwas ändern will, der sollte bei der Person die ihm aus dem Spiegel entgegenblickt anfangen.
Man sollte sich fragen: Wer bin ich? Wer war ich? Und wie möchte ich werden? Aber wie kann ich werden wer ich sein will? Es ist nicht einfach. Und vor allem nicht wenn man falsch beginnt. Man kann sich nicht finden, wenn man nicht weiß wo man sich suchen soll. Aber man kann sich selbst formen. Und man kann anderen Menschen helfen, indem man anfängt an sich selbst zu arbeiten. Man sollte darüber nachdenken was für Entscheidungen man getroffen hat und ob es die richtigen waren. Und man kann sich überlegen wie man weitermachen will. Denn so zeigt man anderen Menschen, dass man als einzelner etwas tun kann. Wenn man anfängt in den Spiegel zu schauen, und die Risse im Spiegelbild zu reparieren, dann kann man sich selbst kennen lernen. Und sobald die anderen Menschen anfangen auch in ihren Spiegel zu schauen, dann hat man einen großen Riss im eigenen repariert.
Genau deshalb sage ich euch: Wenn ihr anfangen wollt etwas zu ändern, dann beginnt mit dem der euch aus dem Spiegel entgegen blickt. Denn mit diesem Menschen werdet ihr noch ein weiten gemeinsamen Weg gehen. Und auf eurem Weg wird immer jemand sein, der dem Spiegelbild Risse zufügt. Es wird aber auch jemand da sein, der euch wachrüttelt, der euch an der Hand nimmt und euch zeigt wie wichtig es ist weiter zu machen. Dieser Jemand wird einige Risse in eurem Spiegelbild wieder unsichtbar machen, weil ihr ihm geholfen habt. Ihr habt ihm geholfen, indem ihr den ersten Schritt gemacht habt. Indem ihr euch selbst in die Augen geschaut habt, angefangen habt euch selbst zu erkennen. Und indem ihr angefangen habt mit euch selbst zu leben...

Donnerstag, 8. November 2012

Die Letzten Tage des Sommer

Das Licht schimmert bunt durch die farbenfrohe Vielfalt der Blätter. Taucht den verlassen Waldweg in gleißendes Licht. Eines der Blätter löst sich vom Ast und segelt langsam herunter. Bis es von einem Windhauch weitergetragen wird. Ein Regentropfen fällt aus dem blauen Himmel. Bei jedem Schritt knistert das Laub unter den Füßen. Und irgendwo in den Baumkronen zwitschern noch ein paar Vögel. Der Sommer geht zu Ende und macht Platzt für den Herbst. Den Vorboten des Winters.

Die Sonne schenkt uns noch einmal ihre wärmenden Strahlen, bevor die Nacht hereinbricht. Man kann noch ein paar Tiere hören die sich auf den Winter vorbereiten. Und man erinnert sich noch einmal an die vergangene Zeit. Den Sommer, in dem man viel erlebt hat. Es gab Momente der Freude, des Lachens und dem unbändigem Gefühl, dass einem alles möglich erscheint. Aber auch Momente der Traurigkeit, des Alleinseins und der Tränen. Momente an die wir uns wiedererinnern werden, wenn wir es wollen. Man lässt sich noch einmal Bewusst werden, dass man die Zeit genossen hat. Dass die Mischung aus Freude und Traurigkeit, des Lachens und des Weinens und des Miteinanders, einem gezeigt hat, wie wichtig es ist zu leben. Mit jedem weiterem Schritt nimmt diese Erinnerungen in sich auf. Man sieht einen Vogel, der die Flügel ausbreitet und abhebt. Und man stellt sich vor: Wie gerne würde ich jetzt auch fliegen können. Frei sein können. Hingehen wohin ich will. Und einfach alle Hindernisse hinter mir lassen. Der Sonne entgegen fliegen, ihr folgen. Und mit jedem Atemzug, jedem fallenden Blatt weiter träumen.
Wenn man die Sonne doch nur anhalten könnte. Oder sie in sich aufsaugen. Nur um sie in einem Moment der völligen Einsamkeit und Kälte, scheinen zu lassen. Und das geht. Wenn man es will.

Jeder Sonnenstrahl schenkt dir Wärme. Diese Wärme kannst du in dich aufnehmen. Das Licht kannst du durch deine Augen in deine Seele lassen. Und von dort wärmt es deinen Körper und strahlt von innen Licht aus. Licht das nicht nur für dich ist. Ein Licht das du jedem schenken sollst, der es braucht. Jemanden der in völliger Einsamkeit lebt und im Dunkeln sitzt. Die Augen sind das Fenster zur Seele, durch sie kannst du die Seele anderer wärmen und zum leuchten bringen.
Aber es gibt auch Augen durch die garkein Licht fallen kann. Augen, wie zerbrochenes Glas...oder wie ein zerbrochenes Herz. Doch genau hier kann das Licht der Sonne helfen Wunden zu schließen. Wenn man es strahlen lässt und zeigt , dass man Helfen kann. Und dass man helfen will.

Noch ein Schritt. Das Laub knirscht. Ein weiterer Regentropfen fällt vom Himmel und läuft wie eine Träne das Gesicht herunter. Es beginnt zu regnen. Und aus dem regen wird Schnee. Die Blätter vermischen sich mit den ersten fallenden Flocken. Etwas Wunderbares. Herbst und Winter existieren gemeinsam. Und sie zeigen das auch ein Miteinander zwischen zwei völlig verschiedenen Persönlichkeiten funktioniert. Und aus dem Schnee wird wieder Regen. Regen, der dich bis auf die Haut durchnässt. Aber dir zeigt wie es ist zu leben.
Und nach dem Regen kommt die Sonne wieder. Trocknet dich und beweist dir, dass immer Hoffnung besteht. Immer.

Plötzlich ist man wieder selbst mittendrin. Mittendrin in den letzten Tagen des Sommers.Und dann sieht man ihn wieder vor sich. Den Vogel, der langsam die Flügel ausbreitet, seinen Blick zur Sonne richtend auf den den richtigen Windstoß warten und abhebt. Du siehst den Vogel der Richtung Sonne fliegt. Bis du deine Schwingen ausbreitest und ihm folgst...

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Und dann am leben bleiben

An: jeden von uns.

Dunkelheit. Stille. Man kann weder hören noch sehen. Ohne zu wissen warum. Man läuft blind und findet den Weg nicht. Man ist alleine. Die Dunkelheit, wie oft hat man sie sich gewünscht? Jetzt ist sie da und am liebsten will man sie sofort wieder loswerden. Hin liegen, nicht weitergehen müssen, keine Angst mehr haben. Das wünscht man sich in so einem Moment. Doch es ist nichts da. Keine Geräusche, keine Bewegungen. Nicht mal ein kleines Licht. Doch das könnte man jetzt gut gebrauchen. Ein Licht, das seine wärmenden Strahlen nach allen Richtungen ausschickt und uns ein bisschen Hoffnungen schenkt. Doch es ist nichts da. Nichts woher dieses Licht kommen könnte. Und nichts, was es zurück werfen könnte.
Doch dann streift dich ein kalter Luftzug. Wie ein Hauchen. Es lässt dich zusammen zucken. Du hast Angst. Ohne daran zu denken dankbar zu sein. Dankbar für dieses Zeichen. Es hat dir gezeigt dass du noch am Leben bist. Dass du noch nicht Gefühlstaub geworden bist und dass noch nicht alle Hoffnung verloren ist, wenn du noch daran glaubst. Und du musst daran glauben. Eine Träne fällt von deinen Augen und versickert im Boden. Ein Zeichen das du noch am Leben bist. Und dann musst du am Leben bleiben.

Denn genau in dieser Situation ist es Zeit um ein ehrliches Stück grundsolides Leben zu glauben. Es ist die letzte Ruhe vor dem Beben. Dem Beben das dich zurück bringt. Doch wenn du dich in dieser Situation versteckst und ohne den Gedanken an Erfolg einfach liegen bleibst, dann verpasst du das Leben. Seine Höhen und Tiefen. Momente unbändiger Freude, aber auch schwerer Schicksalsschläge. Du schlägst auf dem Boden der Tatsachen auf und verlierst deine schwer erkämpfte Hoffnung. Aber auch das braucht das Leben, weil man ohne die traurigen Erlebnisse nicht lernt die schönen Momente zu schätzen. Und von denen gibt es einige. Auch wenn man nicht dran glaubt. Es gibt sie. Und wenn man sich mitten in einem befindet, dann muss man ihn voll und ganz auskosten. Sagt euch nicht, dass ihr euer Leben nicht beeinflussen könnt, ihr könnt es. Viele sagen sich: "Das Leben ist wie ein Kartenspiel, das Schicksal mischt die Karten und wir spielen." So ist es, wir spielen. Aber lasst euch doch nicht die Karten aus der Hand nehmen, mischt selbst. Ich sage mir immer: "Wer denkt Kartenspiele sind Glücksspiele, der kann nicht richtig mischen." Und deshalb sage ich euch. Mischt euch die Karten selbst, und dann spielt. Es ist euer Leben. Und es sind eure Entscheidungen die euer Leben prägen. Und wenn ihr euch in völliger Dunkelheit wiederfindet, dann folgt jedem Zeichen das ihr bekommt. Und vergesst nicht ein Licht am leuchten zu halten. Ein Licht das euch zeigt wie es weitergeht und wo ihr weitergehen müsst. Ein Licht das euch zeigt das ihr immer noch am Leben seid. Denn ihr müsst am Leben bleiben. Nehmt in eurem Leben alles mit was ihr könnt. Jedes Lächeln das ihr bekommt und jede Träne die ihr weint. Sie erzählen eure Geschichte. Denn das Leben kann so schnell vorbei sein. Und genau das ist der Grund weshalb man leben soll. Man weiß nie wann es vorbei ist. Und deshalbe sage ich euch: Lebt euer Leben. Und wenn ihr an eine Stelle kommt in der ihr nicht weiter wisst, dann lasst euch helfen. Ihr habt immer jemanden an eurer Seite. Jemand der sein Leben mit dir Lebt. Und der dich auch in seinem Leben lässt. Du hast einen Platz im Leben eines Anderen. Und das soll ein Ansporn sein leben zu wollen. Denn sonst reißt ihr ein Loch in das Leben des anderen. Ein Loch in dem nurnoch Erinnerungen stecken. Und wenn in deinem Leben so ein Loch klafft. Dann nimm die Erinnerungen in dich auf. Solange du nicht vergisst wer sie dir geschenkt hat, solange lebt diese Person in dir weiter. Und du auch in ihr.

Und wenn du an einen Punkt kommst, an dem du sagst: Ich kann nicht mehr. Dann solltest du immer den gleichen Satz im Ohr haben: " Das Atmen lohnt sich trotzdem, da das Schicksal niemals jemanden verschont. Denn das Leben misst sich nicht an den Atemzügen die du tust, sondern an den Momenten die dir den Atem geraubt haben.  Und diese Momente haben dir einen Platz im Leben anderer Menschen gegeben. Menschen die dich brauchen.
Die Straße ist nicht immer eben. Und wenn du dir sicher bist das es der richtige Weg ist, dann überlege dir: Bist du denn überhaupt der richtige Mensch für diesen Weg? Dein Weg wird nicht der einfachste sein, aber sei dir bewusst es wird der richtige sein. Nimm jeden Stein den man dir in den Weg legt auf und baue daraus etwas. Dein Weg wird auch nicht der schnellste sein, aber du wirst vielen Menschen begegnen. Menschen mit denen du leben kannst. Menschen die das Leben lebenswert machen. Und wenn du auf diesem Weg bist und ihn voller Überzeugung gehst. Dann bist du am Leben..

Freitag, 5. Oktober 2012

Ein Stück vom Weg

An: Jeden der seinen Weg gehen will. und an mich, der ihn sehen will.

Da sitzen. Nicht wissen was man tun soll. Das sture ankämpfen gegen die aufkommenden Zweifel. Das ohrenbetäubende ticken der Uhr. Ohne ein Ziel vor Augen zu haben. Der sinnlose Versuch alles zu vergessen. Die Geräusche, das Licht. Alles. Und dann die Frage: Wofür?
Was soll das eigentlich? Ohne einen Grund blendet man alles aus. Man möchte alles machen. Und doch nichts. Die ganze Welt auf dem Rücken tragen, nur um am Ende zusammen zu brechen. Es scheint als ginge es um die Ewigkeit. die Ewigkeit allein. Und der Zwang sie zu beenden. Doch das geht nicht. Dann kommt es wieder. Das elende Gefühl alleine zu sein. Zuerst sagt man sich das es der Grund für alles  ist, doch dann ist es die Folge. Und schließlich verliert man was man behalten wollte. Und das einzige was bleibt sind aufgerissene Augen von Tränen geflutet, ein halbes Glas Mut und ein paar Zeilen.

Was dann? Ich kann versuchen ein Paar Sätze zu finden, doch die können weder heilen noch retten. Du stehst da auf einem Fleck. Unbekanntes Land. Alleine. Kraftlos, ohne Antrieb. Du krallst dich mit aller Kraft fest, an dem was du noch hast. Solange, bis du nichts mehr hast. Und dann ist es zu spät. Zu spät etwas zu ändern. Du bleibst für immer alleine auf diesem dir unbekanntem Fleck stehen. Sie kommen wieder, die auf dich einschlagenden Vorwürfe, und im Fallen fragst du dich: Was wäre wenn? Was wäre wenn ich losgelassen hätte?
Es wäre der erste Schritt gewesen. Der erste Schritt der dich Richtung Ziel führt. Ein Ziel das verborgen bleibt, solange bis du es erreichst. Und um da hin zukommen musst du mit dir selbst klar kommen. dann kann jedes Wort helfen. Jedes Wort ist ein Stück von deinem Weg. Der Weg den du alleine zu ende laufen musst. Doch wie geht das, wenn ich alles verloren habe?
Die Wahrheit ist... ich weiß es nicht. Das muss jeder von euch selbst herausfinden. Doch was ich sagen kann ist: Egal wie verflochten der Weg ist. Egal ob er dich in ein Labyrinth voller Gefühle führt oder ins absolute Chaos. Egal ob er dich in die Dunkelheit führt und dir all deine Hoffnungen raubt. Denke daran das selbst in den dunkelsten Momenten, von Schatten verschluckt, immer noch Hoffnungen zu finden ist. Hoffnung. Jeder von uns trägt sie bei sich, immer. In seinem Herzen. Und wenn man nicht vergisst auf sein Herz zu hören, dann kann man weitergehen. Den dein Herz bleibt stark gegenüber allen Gedanken. Wie ein Kampf zwischen Herz und Verstand, über dessen Ausgang schlussendlich du bestimmst. Und mit der richtigen Entscheidung kommst du deinem Ziel näher, jede richtige Entscheidung ist ein Stück von deinem Weg.
Doch vielleicht läuft das alles nicht so wie du es dir gedacht hast. Vielleicht gerät alles außer Kontrolle und du findest dich ohne Selbstvertrauen wieder. Lass dich davon nicht beirren. Du musst die Selbst ins Gesicht sagen das du weitergehen musst. Immer weiter. Auch wenn jeder schritt noch so schmerzt. Jedes Stück das du hinterdich bringst, führt dich an dein Ziel. Und wenn du dein Ziel aus den Augen verlierst, und du völlig kraftlos zurück blickst. Fragst du dich dann ob es das Wert war? Die Antwort solltest du eigentlich schon kennen. Ja! Das war er Wert. Jedes Stück von deinem Weg hilft dir. Auch wenn dein Ziel im Nebel verschwindet. Wenn die Nebelschwaden sich langsam um alles legen, und all deine Bemühungen verschlucken, dann geh weiter. In den Nebel rein wenn es sein muss. Zeig das du nicht schwach bist. Zeig das du die Kraft hast deinen Weg zu ende zu gehen. Und das es dir wichtig ist.

 Alles was du zu deinen Gunsten änderst. Alles, für das du dich einsetzt. Und alles wofür du kämpfst wird dir den Weg zeigen. Und jede Tat, jedes Wort, und jedes Lachen sind ein Stück vom Weg. Doch gehen musst du ihn. Und wenn nichts mehr hält. Dann bleib nicht stehen.
Du musst weitergehen..